Aktivitäten verlagern sich von den Banken auf neutrale Drittanbieter, die einen besseren Service und eine ansprechendere Funktionalität bieten. Was der Personal Finance Manager für den Privatkunden ist, wird in Zukunft der Marktplatz für Finanzprodukte für Geschäfts- und Unternehmenskunden werden. Das Kundenbedürfnis nach einem Prozess, einer Stelle für den Einkauf von Produkten bei unterschiedlichen Banken sowie die einheitliche, gesamthafte Abbildung wird hier zu neuen Wegen führen. Dieses ist gleichzeitig die zukünftige Herausforderung für die Vielzahl der Bankportale, die Banken in den vergangenen Jahren (richtigerweise) für Ihre Kunden entwickelt haben.

Eine aktuelle Studie von Bröskamp Consulting hat 295 Kreditmarktplätze und -portale weltweit analysiert.

Die Marktanalyse der digitalen Angebote zeigte dabei folgende Trends:

  • Kreditmarktpläzte lassen sich im Kern in B2B, C2B und C2C Ansätze unterscheiden. Von besonderem Interesse ist aktuell dabei die Frage nach der Finanzierung von Unternehmen.
  • Ein Großteil der Marktpätze zielt auf ein klar definiertes Zielsegement. So gibt es einerseits produktorientierte Anbieter für Schulscheindarlehen oder Lieferantenfinanzierung, andererseits auf klare Kundensegmente zugeschnittene Angebote. Leztere fokussieren sich u.a. auf die gewerbliche Immobilienfinanzierung (wie Cloudscraper oder Brickvest), die Finanzierung der öffentlichen Hand (wie Capveriant oder Loanboox) oder den gewerblichen Bereich (siehe Abbildung 2).
  • Für die klassische Unternehmensfinanzierung bestehen Angebote wie Compeon oder Funding Circle, die sich aber in erster Linie an gewerbliche Kunden mit einem Finanzierungsbedarf von bis zu € 250 Tsd. bis € 1 Mio. richten.
  • Kernangebot der Marktplätze ist das Matching von Kreditnehmer und Kreditgeber. Der vertragliche Abschluss findet nach wie vor außerhalb der Digitalplattformen statt. Weitere Prozessschritte sind angedacht, aber aktuell in keinem Angebot durchgängig gegeben.

In Summe ist die Nutzung dieser Marktplätze für mittel- bis langfristige Finanzierungen aktuell noch nachrangig, die Analogie zur privaten Baufinanzierung läßt allerdings erwarten, dass sich diese Strukturen schnell verschieben werden.

Geändertes Bedürfnis des Unternehmenskunden

Warum ist die Nutzung gerade auch von gewerblichen Kunden aktuell so gering? Wo liegt das Kernbedürfnis der Unternehmen? Was bedeutet dieses für die weitere Entwicklung der digitalen Kreditmarktplätze und (Ausschreibungs-)Portale?

Wir haben diese Fragen mit Unternehmen unterschiedlicher Größe besprochen. Die Ergebnisse – gerade für die größeren bzw. großen Unternehmen sind frappierend:

  • Kernbedürfnis in der aktuellen Marktlage ist weniger, überhaupt Kreditanbieter zu finden, als vielmehr die Möglichkeit, die Ausschreibungsprozesse standardisiert abzuwickeln. Hierzu gehört eine einheitliche Identfikation, ein standardisierter KYC Prozess sowie eine auf einheitlichen Datenquellen beruhende Risikobeurteilung. Hinzu kommen die Möglichkeiten der Verwaltung der Kreditbestände sowie ein standardisiertes Reporting.
  • Der elektronische Vertragsabschluß wird als wünschenswert erachtet, entspricht in praktisch allen Häusern sowohl auf der Kreditnehmer- als auch der Kreditgeberseite aktuell noch nicht den internen Standards.
  • Konditionentransparenz und ein breiterer Investorenkreis sind zudem wünschenswert. Gerade im Hinblick auf sich möglicherweise ändernde marktliche Rahmenbedingungen im Bankensektor soll hier eine breitere Basis geschaffen werden.
  • Das Nichtbanken im Sinne des KWG nicht direkt Kredite vergeben dürfen und eine Geschäftsbank als Zwischenschritt für die Abwicklung der Transaktion benötigen („bank in the middle-Modell“), ist dabei ebenfals zu berücksichtigen.

Im Fazit läßt sich sagen, dass das aktuelle digitale Marktplatzangebot diesen Anforderungen (noch) nicht gerecht wird. Gerade der Gedanke der verlängerten Prozesskette im Marktplatz birgt dabei besondere Chancen. So könnte sich der Kreditmarktplatz auf diesem Wege zur Outsourcingplattform für Kreditprozesse entwickeln, die sich in einer cloudbasierten Infrastruktur abbilden lässt. Hiermit würde man auch vom volumensabhängigen Pricing zu einem lizenzbasierten Modell wechseln. Dadurch wird das Preismodell gerade für längere Finanzierungen auch für die Nutzer deutlich attraktiver.

Regulatorische Rahmenbedingungen

Das Matching von Angebot und Nachfrage ohne eine weitere Unterstützung des Abschlußprozesses, wie es heute bei praktisch allen Marktplätzen vorliegt, unterliegt vergleichsweise geringen regulatorischen Anforderungen – eine Zulassung des Gewerbeamtes ist ausreichend. Findet hingegen ein Onlinezuschlag statt oder kommt es zum Sekundärmarkt von Krediten, so unterliegt dieser Marktplatz wenigstens der Anlagevermittlungsregelung und ist damit zulassungspflichtig durch das BaFin. Mit dem Kreditgeschäfts verbundene Zahlungsverkehrsdienstleistungen würden zudem durch Dritte bereitgestellt.

Die Perspektive

Faßt man die vorausgehenden Überlegungen zusammen, so ergibt sich folgendes Bild für die aktuelle Landschaft der Kreditmarktplätze:

  • Kunden schätzen die Einfachheit, Transparenz und die breitere Investorenbasis von Marktplatzlösungen. Damit werden diese einen Teil des Kreditmarktes auf sich vereinigen.
  • Die aktuellen Lösungen werden den Anforderungen nur eingeschränkt gerecht und haben deshalb Schwierigkeiten, sich durchzusetzen.
  • Klar zugeschnittene Profile sind noch am erfolgsversprechensten – entweder mit einer klaren Produktgruppe oder einem engen Kundensegment. Das mittelständische Unternehmen an sich tut sich hier noch am schwersten
  • Es werden sich zwei Marktplatzangebote durchsetzen bzw. zusammenspielen
    • Der regulierte Betreiber, der eine breite Leistungspalette anbietern kann
    • Der Platformbetreiber, der die technsiche Plattform ggf. auch als Outsourcinglösung bereitstellt.

Wer sich in diesem Spiel durchsetzen wird, wird sich zeigen. Es ist die Möglichkeit, sich in einem attraktiven Markt wie der Finanzierung kleinerer Unternehmen mit einer digitalen Lösung zu platzieren und gleichzeitig den Zugang zu einer breiteren Kundenbasis zu schaffen.


Bei Bröskamp Consulting verbinden unsere digitalen und analytischen Experten die erforderlichen Fähigkeiten, um Sie erfolgreich bei dieser Diskussion zu begleiten. Rufen Sie uns an!

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